IPS-Erfahrungsbericht von Azra Avdagić

IPS-stipendistice Katsiaryna Yakouchyk i Azra Avdagić (desno) Sliku povećati IPS-stipendistice Katsiaryna Yakouchyk i Azra Avdagić (desno) (© privatno ) Nach Beendigung meines fünf-monatigen Praktikums im Deutschen Bundestag, sowie des IPS-Programms im Ganzen, habe ich nur von positiven Eindrücken zu berichten. Durch die in Berlin gesammelten Erfahrungen habe ich mich sowohl persönlich als auch beruflich mit Sicherheit weiterentwickelt. Vor etwas mehr als fünf Monaten, als mir gesagt wurde, dass ich eine der drei Stipendiatinnen aus Bosnien und Herzegowina sein werde, hatte ich gemischte Gefühle. Natürlich habe ich mich einerseits wahnsinnig gefreut, andererseits hatte ich aber auch Angst vor dem, was auf mich zukommen würde. Viele Fragen schwirrten mir im Kopf herum - würde ich es schaffen den mir gestellten Aufgaben gerecht zu werden, werden meine Deutsch-Kenntnisse ausreichen, wie würden wohl die Leute sein und wie überhaupt sollte ich mich in einer so großen Stadt wie Berlin zurecht finden? Letzten Endes erwiesen sich alle meine Bedenken als unbegründet. Naja, sagen wir fast alle - ein paar Mal habe ich mich dann in der Großstadt Berlin doch verlaufen, aber alles in allem waren es sehr lehrreiche, spannende und intensive fünf Monate, für die ich sehr dankbar bin und die ich immer in bester Erinnerung behalten werde.

Njemačka kancelarka Angela Merkel i IPS-stipendistica Azra Avdagić Sliku povećati Njemačka kancelarka Angela Merkel i IPS-stipendistica Azra Avdagić (© privatno) Im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums hatte ich Gelegenheit, den parlamentarischen Alltag in Deutschland durch die Arbeit in einem Abgeordnetenbüro hautnah kennen zu lernen. Ich durfte mein Praktikum im Büro des FDP-Politikers Dr. Rainer Stinner machen und bin sehr zufrieden damit. Nicht nur, dass sich Dr. Stinner thematisch mit vielen Dingen beschäftigt, die mich auch persönlich interessieren, er ist sogar Vorsitzender der Deutsch-Bosnisch-Herzegowinischen Parlamentariergruppe und kennt sich somit in meinem Heimatland und den politischen Gegebenheiten dort sehr gut aus. Ich konnte sowohl mit ihm als auch den Mitarbeitern im Büro viele anregende und interessante Gespräche führen, von denen meiner Meinung nach beide Seiten profitieren konnten- ich selbstverständlich, weil ich viel Neues gelernt habe, aber auch konkrete Vorschläge kompetenter Menschen hören konnte, was man und auf welche Weise in meiner Heimat zum Positiven verändern könnte, und mein Büro (hoffentlich) auch, weil sie die Gelegenheit hatten, die Meinung einer jungen, dort lebenden Person zu vielen Punkten zu hören.


Mladi stipendisti u Bundestag-u Sliku povećati Mladi stipendisti u Bundestag-u (© privatno) Außerdem bot mir die Tatsache, dass Herr Dr. Stinner in seiner Funktion als Vorsitzender der Parlamentariergruppe viele Anfragen verschiedenster Art bekommt, die auf Bosnien-Herzegowina bezogen sind, auch die Möglichkeit, etwas zu tun, was konkret mit meinem Heimatland verbunden ist. Das ist ein Privileg, welches nicht viele genießen konnten. Dr. Stinner und alle Mitarbeiter im Büro waren immer bemüht mich in alles einzubinden, meine Fragen zu beantworten und alles zu erklären. Neben meiner täglichen Büro-Arbeit, die oft Recherchen verschiedenster Art beinhaltete oder auch das Beantworten einiger Briefe und schreiben kleinerer Berichte, hatte ich die Gelegenheit, vielen interessanten Treffen und Sitzungen beizuwohnen. Da sind einerseits der Arbeitskreis, die Arbeitsgruppe, sowie Fraktionssitzungen und Besuche im Plenum, aber auch verschiedene Konferenzen und sogar Besprechungen mit hochrangigen Politikern aus dem In- und Ausland, die Herr Dr. Stinner in seinem Büro zu Gast hatte und denen ich oft spontan beiwohnen konnte.

Julijana Lazić (IPS-stipendistica iz Srbije) i Azra Avdagić Sliku povećati Julijana Lazić (IPS-stipendistica iz Srbije) i Azra Avdagić (© privatno) Doch die Arbeit im Abgeordnetenbüro war nur ein Aspekt des Internationalen Parlaments-Stipendiums, nebenbei hatte ich auch die Möglichkeit, Vorlesungen und Seminare an den bekannten Berliner Universitäten zu besuchen, kulturellen und politischen Veranstaltungen verschiedenster Art beizuwohnen und an äußerst interessanten Seminaren teilzunehmen, die von den sechs großen politischen Stiftungen in Deutschland organisiert wurden. Da ich sehr gerne reise, war für mich besonders toll, dass die meisten Seminare an verschiedenen Orten in Deutschland organisiert wurden und man somit Gelegenheit hatte, auch das Land ein bisschen besser kennen zu lernen. So war ich zum Beispiel während meines fünf-monatigen Aufenthalts neben Berlin auch in Köln, Bonn, München, Erfurt, Kiel, Sylt und sogar für einige Tage in Brüssel.


Ein Aspekt, der das IPS für mich zu so einer besonderen und wertvollen Erfahrung gemacht hat, ist, dass es so viele wunderbare Menschen aus verschiedenen Ländern, Regionen, mit verschiedenen kulturellen, religiösen und beruflichen Hintergründen zusammen bringt. Ich bin sehr froh sagen zu können, dass ich nun, nach fünf Monaten in Berlin, nicht nur um viele berufliche Erfahrungen, sondern, was vielleicht noch wichtiger ist, auch um zahlreiche gute Freunde aus verschiedenen Ecken der Welt reicher geworden bin.