Mit Mut und Willenskraft nach Europa

Französische Botschafterin Claire Bodonyi und deutsche Botschafterin Christiane Hohmann Bild vergrößern Französische Botschafterin Claire Bodonyi und deutsche Botschafterin Christiane Hohmann (© Deutsche Botschaft ) Die deutsch-französische Freundschaft erscheint uns heutzutage als etwas Selbstverständliches. Ist sie jedoch nicht: Sie ist das Resultat von Einsicht, politischem Willen und Gestaltungskraft.

Die deutsch-französische Freundschaft wurde am 22. Januar 1963 mit dem Elysée-Vertrag besiegelt – keine 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie zeigt, dass die Versöhnung über Jahrhunderte verfeindeter Staaten möglich ist. Diese deutsch-französische Aussöhnung wurde zur Grundlage der europäischen Integration.

Auch für Bosnien und Herzegowina sind Aussöhnung und Schaffung gegenseitigen Vertrauens notwendig –sowohl intern zwischen den Volksgruppen, als auch im Verhältnis zu den anderen Staaten des Westbalkans. Die deutsch-französische Aussöhnung kann hier als Beispiel dienen.

Schauen Sie nach vorne und bauen Sie mit uns an einer gemeinsame europäische Zukunft!

Versöhnung ist eine Voraussetzung für europäische Integration und beruht nach unserer Überzeugung auf drei Säulen:

1)      Politischem Mut
Die politisch Verantwortlichen brauchen den Willen und den Mut zur Aussöhnung, sie müssen den Prozess leiten.
Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: Ohne sie gibt es keine Aussöhnung. In diesem Zusammenhang ist Bildung die größte Herausforderung. Wir denken hier speziell an Geschichtsunterricht.

2)     Einbindung der Zivilgesellschaft
Die Versöhnung muss von der Bevölkerung getragen werden. Dies ist nur möglich, wenn die Menschen sich begegnen, austauschen und zusammenarbeiten. Auch der Elysée-Vertrag hatte die Rolle der Zivilgesellschaft erkannt. Zwischen unseren beiden Ländern gibt es beispielsweise: Städtepartnerschaften, das Deutsch-Französische Jugendwerk, ARTE, den gemeinsamen Fernsehkanal, ein gemeinsames Geschichtsbuch ….
Die Hoffnung dabei ruht auf den jungen Menschen – und das heißt für Bosnien und Herzegowina und die umliegenden Staaten: Das Westbalkanjugendwerk RYCO muss bald seine Arbeit aufnehmen!

3)      Gemeinsame Zukunft: Europa
Es bedarf eines gemeinsamen Ziels, einer gemeinsamen Idee von der Zukunft. Für Deutschland und Frankreich war dies die Europäische Einigung. Nach unserer gemeinsamen Überzeugung bietet sie auch für Bosnien und Herzegowina die beste Zukunft.

Hierfür muss Bosnien und Herzegowina hart arbeiten, und damit seinem Willen, Mitglied der EU zu werden, Ausdruck verleihen. Der Bosnien und Herzegowina überreichte Fragebogen, das so genannte Questionnaire, ist ein Hilfsmittel, das es der Europäischen-Kommission ermöglicht, Kenntnisse über den Stand der Vorbereitungen des Landes in 33 Gebieten zu erlangen. Die Beitrittsverhandlungen mit Bosnien und Herzegowina werden auf Grundlage der so gesammelten Informationen, die die juristische, politische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit umfassen, geführt

Es gibt allerdings etwas noch Wichtigeres als das Questionnaire, nämlich dass die Reformen, die das Land so dringend braucht, fortgeführt werden. Politiker dürfen nicht von den wahren Problemen ablenken, sondern müssen dafür sorgen, dass ihre Bürger eine Perspektive im eigenen Land haben. Sie müssen für politische Stabilität sorgen, die ausländische Investitionen möglich macht und die so dringend benötigten Arbeitsplätze schafft. Wenn BiH die Reformagenda zügig umsetzen würde, könnte das Land ganz anders aussehen: Vor allem müssten weniger junge Menschen „mit den Füßen abstimmen“ und stünden Bosnien und Herzegowina zum Aufbau einer besseren Zukunft zur Verfügung!