Rede von Botschafterin Hohmann zum Tag der deutschen Einheit

Botschafterin Hohmann beim Empfang zum Tag der deutschen Einheit Bild vergrößern Botschafterin Hohmann beim Empfang zum Tag der deutschen Einheit (© Deutsche Botschaft ) Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind, um mit uns den 27. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und gleichzeitig den 25. Jahrestag der bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Bosnien und Herzegowina zu feiern.

Heute treffen wir uns aus diesem Anlass im gerade erst eröffneten Mikser House, einem Veranstaltungsort, wie man ihn vor allem auch in Berlin finden kann – und damit verbindet das Mikser House uns auf eine ganz besondere Art und Weise.

Liebe Gäste, Jahrestage sind immer auch Anlass, Bilanz zu ziehen:

·       Der 3. Oktober 1990, der Tag der deutschen Wiedervereinigung war ein entscheidender Meilenstein in unserer Geschichte. Viel ist seitdem geschehen, Deutschland wurde mehrfach Fußball-Weltmeister, Deutschland ist gemeinsam mit Frankreich zu einem der wirtschaftlichen und politischen Motoren der Europäischen Union geworden, Deutschland nimmt heute seine Verantwortung in der Weltgemeinschaft nicht nur durch die internationalen Friedenseinsätze der Bundeswehr wahr. Die demokratische Rechtsordnung, die soziale Marktwirtschaft und die euro-atlantische Verankerung Deutschlands sind feste Elemente unseres nationalen Selbstverständnisses.

·       Das Projekt „Deutsche Wiedervereinigung“ ist aber auch nach 27 Jahren noch nicht beendet. Noch immer sind wir mit der Aufarbeitung von Teilen unserer Geschichte befasst, arbeiten wir an der Nivellierung der Unterschiede infolge der Trennung. Ohne den bewussten Umgang mit der eigenen Geschichte – auch mit ihren Schattenseiten – ist ein „nach-vorne-gehen“ nicht wirklich nachhaltig möglich. Hier sehe ich auch für Bosnien und Herzegowina eine große Herausforderung.

·       Vor 25 Jahren haben unsere beiden Länder diplomatische Beziehungen aufgenommen: Wir feiern in diesem Jahr also „silberne Hochzeit“ in unseren bilateralen Beziehungen, die aus deutscher Sicht etwas Besonderes sind.
Diese besondere Verbindung entstand zu einem großen Teil in der Zeit von 1992-95, während der hunderttausende Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland Zuflucht fanden. Aber  die Beziehungen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern von Bosnien und Herzegowina und Deutschland reichen natürlich weiter zurück. Ich denke an die vielen Gastarbeiter und ihre Familien aus dem damaligen Jugoslawien, die in den sechziger Jahren nach Deutschland gekommen waren. Die erste Begegnung mit Cevapi fand für die meisten Deutschen unter uns nicht hier sondern beim „Jugoslawen an der Ecke“ statt.

Die Besonderheit unserer Beziehungen sieht man auch an einer Geschichte, die mir erst letzte Woche ein Kollege der Botschaft erzählte, als wir über die Anfänge der bilateralen Beziehungen sprachen:

Die Verhandlungen über die Modalitäten der ersten Präsidentschafts- und Parlamentssitzung in Bosnien und Herzegowina gestalteten sich seinerzeit schwierig, es fehlte den Beteiligten an einem „direkten Draht“: Die Verständigung zwischen Sarajewo und Pale war nicht sichergestellt.

Die deutsche Botschaft, die die Verhandlungen beförderte, übernahm die Rolle des Boten, um die Nachrichten zwischen den Parteien zu transportieren: Besagter Mitarbeiter reiste für die Absprache der Modalitäten der ersten Sitzung mit Nachrichten zwischen den beiden Orten hin und her: Sage und schreibe neun Mal!

Nun, seitdem hat sich viel getan, die  Kommunikationskanäle im Land haben sich verbessert – und damit meine ich nicht nur den Ausbau der Technik …

Weiterhin begleitet Deutschland Bosnien und Herzegowina eng und partnerschaftlich. All dies tun wir getragen von dem Wunsch, dass Ihr Land in absehbarer Zeit Partner in der Europäischen Union wird.

Da wir schon bei der Zukunft sind: Lassen Sie mich zwei Wünsche äußern; und wir setzen darauf, dass diese in weniger als 25 Jahren Realität Botschafterin Hohmann mit Premierminister Zvizdic Bild vergrößern Botschafterin Hohmann mit Premierminister Zvizdic (© Deutsche Botschaft ) werden.

·       Deutschland und seine EU-Partner wünschen sich für die Menschen von Bosnien und Herzegowina Sicherheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit – und damit eine Zukunftsperspektive in ihrem Heimatland.
Für die Bürger dieses Landes ist es sehr wichtig, dass die EU-Reformagenda umgesetzt wird, nicht langsam und zögerlich, sondern mit Kraft und Überzeugung.
Es gilt keine Zeit zu verlieren, denn viele junge und qualifizierte Menschen verlassen das Land.

·       Weiter wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass in Bosnien und Herzegowina zügig Anstrengungen unternommen werden, einen ernsthaften Aussöhnungsprozess voranzubringen. Ich wünsche mir, dass aus den Einwohnern dieses Landes stolze Bürger von Bosnien und Herzegowina werden.

Ich wünsche Bosnien und Herzegowina zahlreiche Bürger, ,
- die auf den Menschen schauen - und nicht auf den Namen,
- die ihr Kind auf die bestmögliche Schule schicken - und nicht auf diejenige, in der ausschließlich Angehörige der eigenen Volksgruppe sind,
- die ihre Gemeinsamkeiten und nicht das Trennende betonen,

die Brücken bauen,
Und nicht zuletzt,
- die das Wohl aller Bosnier und Herzegowiner anstreben - nicht nur dasjenige der eigenen Volksgruppe.

Liebe Gäste, Deutschland bleibt ein engagierter Partner von Bosnien und Herzegowina. Deshalb lade ich Sie ein, auch morgen zwischen 10 und 15 Uhr hierher ins Mikser House zu kommen. Dann präsentieren sich die deutschen Unternehmen und Institutionen im Land nämlich zum dritten Mal in unserer Veranstaltungsreihe „Deutschland für Bosnien und Herzegowina“.

Ich wünsche uns allen einen schönen Abend – und danke für Ihre Aufmerksamkeit!