IPS-Erfahrungsbericht von Selma Mezetović

Mit IPS-lern aus Kasachstan Bild vergrößern Mit IPS-lern aus Kasachstan (© Selma Mezetovic)

Schon als ich zum ersten Mal im fünften Semester meines Studiums von Internationales Parlaments-Stipendium (IPS) hörte, habe ich es mir als Ziel in meinem Leben gestellt. Eigentlich war es mehr ein Traum, da ich nicht sicher sein konnte, dass sich zwei Jahre danach in meinem Leben alles so schön zusammenstellt, dass ich mich tatsächlich daran beteiligen kann. Doch im Dezember 2008 nach meinem Abschluss an der Juristischen Fakultät und nach dem erfolgreichen Vorstellungsespräch mit der Auswahlkommission habe ich eine schriftliche Bestätigung bekommen, dass mein Traum wahr wird. Auch heute kann ich mich ganz genau erinnern, wie glücklich ich war, als ich erfahren habe, dass ich eine von den Ausgewählten bin.

Vor der Reise nach Berlin hatte ich sehr hohe Erwartungen, die, wenn ich heute zurückblicke, nicht erfüllt, sondern weitgehend übertroffen worden sind. Das Konzept dieses Stipendiums, das die Arbeit in Deutschem Bundestag, das Studieren an einer von drei Berliner Universitäten und die Teilnahme an Seminaren der deutschen politischen Stiftungen umfasst, kann einen meiner Meinung nach kaum enttäuschen. Und es ist keine leichte Aufgabe für mich, alle die zahlreichen und vielfältigen Erlebnisse kurz zu beschreiben. Doch eine gemeinsame Eigenschaft haben sie und die ist, dass diese fünf Monate meines Lebens auf eine unvergessliche Weise markiert worden sind. Selma Mezetović und Julijana Lazić (IPS-Stipendiatin aus Serbien) Bild vergrößern Selma Mezetović und Julijana Lazić (IPS-Stipendiatin aus Serbien) (© Selma Mezetović)

Der Kern dieses Stipendiums ist natürlich die Arbeit im Deutschen Bundestag, d.h. im Büro eines Abgeordneten. Für mich als Juristin von Beruf war das die Gelegenheit zu sehen, wie in der Praxis die theoretischen Beispiele für ideale Demokratie angewendet werden. Diese fünf Monate, die ich in der gesetzgebenden Körperschaft einer der stärksten Demokratien der Welt verbracht habe, gaben mir einen sehr guten Einblick in das Funktioniren des deutschen Parlamentarismus.

Meine Arbeit im Büro des Bundestagsabgeordneten Herrn Ernst Kranz umfasste unterschiedliche Schreiben an Bürger, einige Forschungen, das Verfassen von Pressemitteilungen u. ä. Natürlich hatte ich die Möglichkeit, die Sitzungen der einzelnen Arbeitsgruppen und Ausschüsse, ebenso wie das Plenum, selbst zu besuchen. Für mich waren auch Diskussionen der einzelnen Parlamentarier, ihr Verhalten und gegenseitige Kommunikation sehr interessant, da ich dadurch über demokratische Mentalität lernen konnte. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, im Wahlkreis meines Abgeordneten das Funktionieren der lokalen Demokratie kennenzulernen, die eine wichtige Basis fürs ganze parlamentarische System in Deutschland ist. Was mich noch beeindruckt hat, ist die Transparenz und die Zugänglichkeit der Abgeordneten, sowie die Verantwortung, die sie gegenüber ordentlichen Bürgern haben.

Die Arbeit im Bundestag ist Herzstück dieses Programms, aber IPS ist nicht nur das. Dieses Programm bedeutete für mich auch das Zusammenleben mit mehr als 100 StipendiatInnen aus 26 verschiedenen Ländern.
Trotz der unterschiedlichen kulturellen und historischen Hintergrund der meisten von uns, hat die Vielfalt der gemeinsamen Erfahrungen dazu geführt, dass wir uns besser kennenlernen, eine Reihe von inspirierenden Gesprächen führen und natürlich dass wir Freunde werden. Und gerade die Tatsache, dass ich Freunde, beispielsweise in Kasachstan, Serbien oder Frankreich habe, die möglicherweise künftige Minister oder Parlamentarier in ihren Länder sind, ist für mich von unschätzbarem Wert. Denn nicht nur wurden meine Horizonte und meine Kenntnisse über einzelne Völker und ihre Traditionen erweitert, sondern ich wurde nochmal überzeugt, dass es möglich ist die gemeinsame Sprache zu finden, trotz allen Unterschieden, nur wenn der Wille da ist.

Die Tatsache, die natürlich nicht zu vergessen ist, ist dass wir in Berlin gelebt haben. Diese unglaubliche Stadt, die Vielfalt liebt und akzeptiert, und die auf der anderen Seite ein Symbol der Einheit ist, war ideale Umgebung um IPS zu erleben. Gemeinschaftsbild aller IPS-Stipendiaten Bild vergrößern Gemeinschaftsbild aller IPS-Stipendiaten (© Selma Mezetović) Alles in allem kann ich sagen: Ich bin sehr glücklich und stolz, dass ich Teil dieses einzigartigen Projekts war. Doch ich glaube nicht, dass mit meiner Rückkehr nach Bosnien und Herzegowina IPS für mich endet. Ich bin mir sicher, dass die erworbenen Erfahrungen mir helfen werden mich weiter persönlich und beruflich zu entwickeln. Aus allen diesen Gründen würde ich IPS allen jungen, sozial engagierten Leuten, die sich für Politik interessieren und Deutschkenntnisse haben, uneingeschränkt empfehlen.


Selma Mezetović