Wer auf die Wanderschaft gehen will, muss in der Heimat flügge geworden sein

Wandergeselle Bahadir Kaya zu Besuch in der deutschen Botschaft Bild vergrößern Wandergeselle Bahadir Kaya zu Besuch in der deutschen Botschaft (© Gabriele Kowal-Manderla)

Sie sind seltener geworden, aber auf allen Kontinenten der Erde auch heutzutage noch immer anzutreffen: Deutsche Handwerksgesellen auf Wanderschaft. Dabei haben die auch als „Wanderjahre“ bezeichneten Reisen deutscher Handwerker eine lange Tradition.

Bereits im Spätmittelalter war es üblich, dass junge Handwerksgesellen nach ihrer Gesellenprüfung für einige Jahre auf Wanderschaft gingen, um in weit entfernt liegenden Handwerksbetrieben bei anderen Meistern Erfahrungen zu sammeln, ihr handwerkliches und betriebliches Wissen zu vertiefen und neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Wanderjahre waren vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert in den meisten Handwerken eine Voraussetzung, um Meister werden zu können. Heutzutage gibt es diese Pflicht zwar nicht mehr, manche junge Gesellen pflegen dieses Brauchtum dennoch. So besuchte neulich Bahadir Kaya, Wandergeselle aus Frankfurt die deutsche Botschaft in Sarajewo.

Bild vergrößern Erkennbar sind Wandergesellen an ihrer auffallenden Kleidung: ein schwarzer Hut mit breiter Krempe und Jacke, Hose und Weste, die farblich der Tradition seines Berufsstandes entsprechen. Typisch ist auch ein knotig verdrehter bzw. spiralförmig gewachsener Stock. Dieser sogenannte „Stenz“ dient neben seiner Funktion als Wanderstock auch zur Verteidigung. Im Gepäck hat der Wandergeselle immer auch sein Wanderbuch, in dem er die Siegel der von ihm besuchten Ortschaften sammelt.

Während die Zahl der Wandergesellen Anfang des 20. Jahrhunderts noch im vierstelligen Bereich lag und gegen Ende der 1920er Jahre besonders hoch war, zählte man in 2010 in Deutschland noch gut 450 Wandergesellen. Übrigens gehen seit dem letzten Jahrhundert vermehrt auch Frauen auf Wanderschaft.

Bekannte Wandergesellen der Vergangenheit waren zum Beispiel der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, und Adam Opel, der als Gründer des Fahrzeugherstellers Opel in die Geschichte einging.