Junge Menschen diskutieren Europa. Die Young European Professionals, kurz YEPs,
wollen die Europäische Union leben und aktiv mitgestalten. Sie haben sich als Freiwillige
gemeldet, um an einem Programm der Bundeszentrale für politische Bildung teilzunehmen
und ihr Wissen und ihre Ideen über Europa an Gleichaltrige weiterzugeben. Europa soll
begeistern, aber:
Svetlana Alenitskaya - Bundeszentrale für politische Bildung
«Wir wollen keine blinde Begeisterung. Wir wollen eine reflektierte Begeisterung.
Begeisterung, die auch sagt, was man in Europa besser machen kann. Es geht nicht
darum, Europa grundsätzlich in Frage zu stellen, es geht darum zu sagen, Europa hat
Vorteile. Europa hat sich immer noch nicht eingebüßt. Das ist was ganz Tolles, was wir
hier haben, die EU, aber vielleicht läuft nicht alles so gut.»
Nicht alles läuft gut, aber vieles in der Europäischen Union läuft besser als vermutet.
Dennoch überwiegen in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter Vorurteile. Eine
Motivation der YEPs, sich in Schulen den Fragen Gleichaltriger zu stellen:
Linh Chi Nguyen - YEP
«Was ich jetzt herausgehört habe ist, dass die Leute oft sehr radikal sind oder gar nichts
wissen. Also nicht Halbwissen haben, sondern sich gar nicht für die Politik interessieren.»
Christian Gonder - YEP
«Die EU ist langfristig nur dann funktionsfähig, wenn dieses europäische Einigungsprojekt
demokratisch legitimiert ist. Und ohne Öffentlichkeit kann auch keine demokratische
Legitimation entstehen. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, dass die Menschen
wissen, warum wir Kompetenzen nach Brüssel abgeben. Das ist ja nichts Negatives. Im
Gegenteil. Wir geben Kompetenzen ab, um auf der anderen Seite wieder handlungsfähig
zu sein. Die ganze Welt vereinigt sich im Zuge der Globalisierung, und wir denken
teilweise wieder über Renationalisierung nach. Das ist doch paradox.»
Gerade die Wahlen zum EU-Parlament sind ein Ansporn für die YEPs und eine echte
Herausforderung. Es gibt viele Neuerungen, erstmals werden Spitzenkandidaten genannt,
die für das Amt des Kommissionspräsidenten kandidieren. Der Wählereinfluss wächst
also. Wahlberechtigt sind alle Staatsangehörigen eines Mitgliedslandes im Alter ab 18
Jahre, aber nicht alle Wahlberechtigten scheinen sich ihrer Stimme bewusst zu sein.
Andreas Christ - YEP
«Welchen Einfluss das tatsächlich auf die nationale Politik hat, das wird immer noch
unterschätzt. Das europäische Parlament hat heute so viele Kompetenzen wie nie zuvor,
und dafür ist das Desinteresse an den Wahlen eigentlich viel zu groß.»
Es wird viel diskutiert und argumentiert in den Workshops, Meinungen werden
ausgetauscht aber nicht vorgegeben. Die Peer-to-Peer-Methode, also die Begegnung auf
Augenhöhe ist ein Erfolgsrezept der YEPs. Die Besuche in den Schulen sind keine
Vorträge, sondern Begegnungen.
Svetlana Alenitskaya – Bundeszentrale für politische Bildung
«Wir geben den anderen Jugendlichen die komplette Palette an allen möglichen
Meinungen und Oppositionen, und es ist dann an denen zu entscheiden, welche Meinung
sie selbst ergreifen.»
Entscheide selbst was Du denkst, aber nutze die Freiheit, entscheiden zu können. Für die
YEPs ist das ein Credo - für viele Menschen in der EU vielleicht eine oft unterschätzte
Normalität.
Nils Büsking - YEP
«Ich finde es einfach sehr viel schöner, sich über die Zusammensetzung von
Karamellbonbons zu streiten, als sich mit Panzern die Haustür einzufahren.»