40 Meter unter der Erde wird im Norden Deutschlands der stärkste Röntgenlaser der Welt gebaut: Der European XFEL – eines der größten Forschungsprojekte in ganz Europa. 3,4 Kilometer lang ist die Tunnelanlage und ab 2017 wird die gigantische Röntgenlampe kleinste Atome und Moleküle sichtbar machen. Diese einzigartigen Röntgenblitze machen Spitzenforschung möglich und erschließen völlig neue Forschungsfelder für die Wissenschaft.
Dr. Suren Karabekyan, Physiker:
„Man kann unser Projekt mit einem Großraummikroskop vergleichen, das uns Forschungen in verschiedene Richtungen erlaubt, zum Beispiel für die Forschung über schwere Krankheiten und bei der Entwicklung von neuen Medikamenten.“
Suren Karabekyan kommt aus Armenien und kümmert sich um die Herzstücke des Lasers: die sogenannten Undulatoren. Sie bringen die im Tunnel beschleunigten Elektronen so auf Kurs, dass diese extrem starke und kurze Blitze abgeben und damit zur hellsten Lichtquelle der Welt werden. In der fußballfeldgroßen Experimentierhalle am Ende des Tunnels werden die kleinsten Moleküle dann fotografiert. Die Kameras dafür entwickelt Monica Turcato. Die Italienerin folgte dem Ruf nach Hamburg und lebt jetzt mit ihrer ganzen Familie hier. Es ist ihr Traumjob.
Dr. Monica Turcato, Detektorwissenschaftlerin:
"Ich arbeite in der Detektorengruppe und das bedeutet, wir stellen für die Wissenschaftler die Instrumente bereit, die kleinste Teilchen aufnehmen können. Die Anforderungen an diese Detektoren sind besonders, da wir bis zu 27.000 Bilder pro Sekunde benötigen. Für mich als Wissenschaftlerin, die immer mehr lernen will, ist
es sehr aufregend hier zu arbeiten, da sich das Projekt immer weiter entwickelt und so einzigartig ist."
In Deutschland, bekannt als Standort für Spitzenforschung im Bereich der Lasertechnik, entsteht mit dem European XFEL ein internationaler Forschungscampus. Elf Länder sind bereits mit an Bord, mehr als eine Milliarde Euro werden investiert. Das Projekt ist von Weltrang und etwa die Hälfte der Mitarbeiter kommt aus dem Ausland.
Dr. Suren Karabekyan, Physiker:
„Im Prinzip haben Wissenschaftler hier keine Begrenzung. Man kann jederzeit ins Labor kommen, jederzeit im Büro arbeiten und man kann so viel arbeiten, wie man muss, um seine Ziele zu erreichen. Deshalb find ich: Das ist ein Paradies für Wissenschaftler.“
Dr. Adrian Mancuso, leitender Wissenschaftler:
"Das Wetter in meiner Heimat Australien ist natürlich viel besser, aber ich lebe trotzdem seit einer Weile hier und habe vor zu bleiben. Mit dem Röntgenlaser zu arbeiten ist eine weltweit einzigartige Möglichkeit, in diesem Wissenschaftsfeld zu forschen."
2017 also wird der European XFEL hochgefahren und die Blitze sollen Licht bringen in bisher unbekannte Winkel der Wissenschaft.